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Wilfried Maehler
 Im Jahre 1956 kam ich in Heidelberg auf die Welt und wuchs in Peterstal, einem schönen, von Wald umgebenen Vorort auf. Peterstal wurde in den Heidelberger Stadtteil Ziegelhausen eingemeindet.
Mit 10 Jahren hatte ich meinen ersten unterirdischen Spielplatz in Form eines alten Bergwerkes gefunden. Dieser beschauliche Ort der Ruhe, in dem man nur gelegentlich einen Wassertropfen fallen hörte, hatte es mir angetan.
Ab dem 12. Lebensjahr war das Heidelberger Schloss Ziel meines Forscherdranges und als die Archäologiestudenten und Historiker mein Interesse feststellten, nahmen sie mich immer häufiger ins Schlepptau. Ab diesem Zeitpunkt las ich meine ersten Bücher über Geologie, Geographie und Geschichte
Mit 13 trat ich der freiwilligen Jugendfeuerwehr Peterstal bei.
Vom 14. Lebensjahr an verbrachte ich meine ganze, mir zur Verfügung stehende Freizeit am liebsten mit den Studenten und Fachleuten, die in und um das Heidelberger Schloß herum greifbar waren. Und manchmal konnte ich mich auch mit deren Hilfe in die historischen Vorlesungen an der Uni einmogeln
Durch Zufall stieß ich im Rahmen eines Jugendfeuerwehrtreffens, ich war gerade 16 Jahre alt, auf meinen ersten Luftschutzstollen ohne es zu ahnen.
Im 17. Lebenjahr lernte ich anläßlich eines Hochwassereinsatzes die Arbeitsweisen und Möglichkeiten des THW und des Katastrophenschutzes kennen. Parallel hierzu interessierten mich besonders einschlägige Fachbücher zu diesen Bereichen, die in der Stadtbücherei zur Verfügung standen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Traum Forscher zu werden und die Pyramiden zu untersuchen
Nach der Lehre bekam ich zunächst eine Anstellung in einem größeren Heidelberger Chemiebetrieb, wo ich nach kurzer Zeit zum Vorarbeiter ernannt wurde. Meine zwischenzeitlich verbesserte Mobilität erlaubte mir nun, mein Hobby räumlich stark auszuweiten. Ich war am Westwall angelangt, ahnungslos praktisch und stand vor meinen ersten echten Bunkern. Das legte sich aber recht schnell. In den Bibliotheken standen einige Werke über den Westwall zur Verfügung.
Im Anschluß an die Bundeswehrzeit, während der ich mich übrigens in Sachen Bunker bestens belesen konnte, arbeitete ich noch eine geraume Zeit in Heidelberg und zog mit meinen 23 Jahren nach Bochum, wo ich auch prompt mit einem Tagesbruch mitten auf der Straße konfrontiert wurde.
Meine ersten Jahre in Bochum bestanden aus Arbeiten in Zeitarbeitsfirmen und “Erkundungsfahrten” mit dem Motorrad. Die Zeitarbeit war auch der Grund, warum ich mir im Bereich Werksluftschutz ausgiebige Kenntnisse verschiedener Werke aneignen konnte. In den Betrieben waren zu dieser Zeit noch einige der alten Luftschutzkeller und Stollen zugänglich und die ersten Kontakte geknüpft. Zurückblickend war es erstaunlich, welches Interesse manche Geschäftsleitung zeigte, dass sich jemand unvoreingenommen “nur mal die unterirdischen Anlagen anschaut” und über die Zustände und das gesehene berichtet. Daneben reiste ich gerne in die Eifel, Westwallbunker zusammen mit Archäologen und Historikern erkunden. Die damaligen Denkmalschützer die ich in diesem Rahmen kennenlernte und mit denen ich zusammen Exkursionen plante und tätigte hatten zwar Interesse an diesen alten Anlagen, jedoch war das Thema an und für sich nicht genehm.
Die erste echte “Bunkerakte”, die ich im Alter von 28 Jahren zu Gesicht bekam war eigentlich der Plan eines Luftschutzstollens, komplett mit Baufortschritten und Materiallieferungen, einer Anlage des Bochumer Vereins. Und weil ausgerechnet der dazu passende Lageplan fehlte, begab ich mich auf meine erste Zielsuche - mit Erfolg
Wegen meiner damaligen selbstständigen Tätigkeit konnte ich das Hobby ein paar Jahre nur noch gelegentlich ausüben. Aber danach ging es wieder aufwärts. Als Betriebsleiter in einem Gevelsberger Betrieb hatte ich Urlaub, den ich gerne für meine Erforschungen aufbrauchte. In den überregionalen Archiven stellte ich schnell fest, daß das Thema Luftschutz so umfangreich ist, daß wenn man das Thema erhellen will, dies nicht großflächig angehen kann.
Als ich 33 Jahre alt war, stellte sich mir die Frage was ich nun machen soll. In die Breite gehen, wie alle anderen ? Luftschutz in Deutschland; Luftschutz erkunden nur in NRW? Oder sich tatsächlich nur auf einen bestimmten Bereich stürzen, diesen aber genauestens erforschen. Erst einmal hin - und hergerissen entschied ich mich, den Luftschutzort Bochum in Angriff zu nehmen. Immer noch ein großer Bereich - aber machbar. Von da an befasste ich mich primär nur noch mit dem Luftschutzort Bochum. Aus meinem beruflichen Umfeld kamen die ersten größeren Hilfestellungen.
Kurz nachdem ich meinen 39. Geburtstag hinter mich gebracht hatte, lernte ich den Bochumer Katastrophenschutz kennen. Von dieser Zeit an kamen die Informationen die ich benötigte in zunehmendem Maße schon fast regelmäßig. Immer mehr begleiteten mich Geschichtsinteressierte, Archäologieinteressenten, Werksangehörige verschiedener Firmen oder städtische Mitarbeiter in den Untergrund. Die unterirdischen Strukturen und Zustände des Bochumer Vereins hatten es allen angetan.
Der Übergang zur erweiterten Gefahrenabwehr war der beste Zeitpunkt für mich, die ganze Recherche professioneller zu gestalten. Mir wurde die bis dato “geheime” Stollen und Schächtekarte anvertraut, die ich in einer relativ kurzen Zeit mit meinen bisherigen Kenntnissen verbessern konnte, heißt Verbesserung der Lagegenauigkeiten und Fortschreibung.
Irgendwann 1999 lernte ich dann bei einer unserer Exkursionen Michael Ide kennen, der sehr starkes Interesse für den Bochumer Untergrund und die Bochumer Geschichte zeigte, uns einfach nur mal begleiten wollte und zudem beruflich voll im Thema steckte. Es zeigte sich rasch, daß sich hier zwei zwar nicht gesucht hatten - aber gefunden
Am 11.11.2001 gründeten wir den Bochumer Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e.V. , kurz genannt Studienkreis Bochumer Bunker
2007 blicke ich nun zurück und sehe wie viele Kenntnisse man benötigt, um den Luftschutz in einem relativ kleinen Bereich - in einem einzigen Luftschutzort erklärbar zu machen. Die Recherche ist noch lange nicht zu Ende und wird bestimmt noch Jahrzehnte andauern und staunenswertes hervorbringen, geschichtsträchtige und vergessene Orte erhellen und der zukünftigen Stadtentwicklung dazu dienen, nicht auf Hohlräumen aufzubauen. Und wenn das Resultat der Recherchen und der Kenntnisüberdeckung prognostizierbare Tagesbruchwahrscheinlichkeiten hervorbringt, sind auch zukünftige Gefahrenstellen ausschaltbar
Meine Highlights:
- Entdeckung eines Lichtloches und Erkundung eines ehemaligen Bergwerkes
- Führung eines archäologischen Teams zu einem bis dato unbekannten Raum hinter dem Heidelberger Schloß
- Sichtung meines ersten Deckungsgrabens in einer Mainzer Festungsanlage
- Begehung eines echten Luftschutzbunkers während meiner Bundeswehrzeit
- Untersuchung einer Westwallanlage zusammen mit verschiedenen Behörden
- Erlaubnis, im damals noch aktiven Bochumer Verein zusammen mit einem Elektriker und Schlosser den Untergund zu sichten
- Fund einer kombinierten Luftschutzanlage des BV
- Sichtung von Formen für eine zerlegbare Splitterschutzzelle bei der Fa. Wisoka
- Meine erste Bauakte einer Luftschutzanlage in den Händen zu halten und diese erfolgreich zu lokalisieren
- Besuch der Ostwall-Anlagen und dem 30 Kilometer langen Tunnelsystem
- Aktenhinweis auf eine Bochumer U - Fabrik
- Sichtung einer Dortmunder Werksluftschutzanlage
- Lokalisierung des “Felsenkellers” der in den Bochumer Annalen erwähnt wird
- Tagesbruchverhinderung unter einer Straße
- Sichtung eines Zwangsarbeiter-Luftschutzkellers
- Erster Kontakt mit einem Zeitzeugen, der auch passende Unterlagen zur Verfügung stellte
- Verfüll - und Zustands-Akten des bis dahin geheimnisvollen und in Vergessenheit geratenen Bochumer Stollens Trankgasse, der bis dahin nur fragmental bekannt war
- Sichtung eines kleinen Stückchens Groß-Stollen kurz vor der Verfüllung
- Hilfestellung auf einem Sanierungsfläche aufgrund eines Stollenfundes
- Kenntnisse über eine Ausweichsbefehlsstelle in unvermutetem Bereich
- Detailkenntnisse über eine zweite, ehemalige Unterirdische Fabrik in Bochum
- Dokumentation zweier Deckungsgräben in einem ehemaligen Zwangsarbeiterlager
- Feststellung einer extremen Planungenauigkeit durch vor Ort-Erkundung
- Verkauf einer Bundesimmobilie kurz nach unserem Aufmaß und Zeichnungserstellung
- Fund und Dokumentation einer gesuchten Hängebahn
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