beim

Studienkreis

Bochumer

Bunker

e.V.

 

Das Forschungsgebiet des Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e.V. ist der Luftschutz.

Der SBB trägt alle Informationen rund um die Themen Bunker und Luftschutz zusammen, weil viele Kenntnisse  nach dem Krieg verloren gingen, vernichtet oder verdrängt worden. Die  Forschungsergebnisse werden kartographiert, nachkonstruiert, in Beschreibungen zusammengefasst und ausgewertet.

Damit ist es möglich, potentielle Gefährdungsbereiche festzustellen. Zudem werden nach Bedarf Bildungsveranstaltungen durchgeführt, in denen sowohl  allgemeine Kenntnisse, als auch fachliches Spezialwissen vermittelt wird.

Mit Hilfe namhafter Firmen wurde und wird dies in dieser Form erst ermöglicht. Deswegen bedankt sich der SBB e.V. bei allen Unterstützern.

Das zusammengetragene allgemeine Wissen, das auf der SBB-Homepage eingesehen werden kann, ist nicht nur regional, sondern  deutschlandweit angewandt worden. Natürlich gibt es auch die berühmten Ausnahmefälle, die bei den Recherchen gerne zur Kenntnis genommen und aufgearbeitet werden.

Der Name Studienkreis Bochumer Bunker e.V. wurde in der Gründungsphase bei der Namensfindung übrigens bei der Abstimmung einstimmig gewählt, weil der Verein beim Amtsgericht Bochum eingetragen wurde. Deswegen ist der Luftschutzort Bochum “naheliegenderweise” Forschungs-Kerngebiet. TN_Luftschutz-Stollen_1935

 

Überwiegend dienen die geschichtlichen Rechercheergebnisse, wie z.B. die damalige Umsetzung der einschlägigen Bauvorschriften, in  allen Bundesländern der besseren Beurteilung von Bauhindernissen oder Gefahrenstellen. Dazu zählen beispielsweise Tagesbrüche deren Ursache in  verbrochenen Luftschutzanlagen zu suchen sind . Diesbezüglich konnte der SBB bisher in über 1500  kritischen oder problembehafteten Situationen Rat erteilen oder in akuten Gefährdungsbereichen direkt vor Ort beratend tätig werden. Spektakuläre Einsätze, wie z.B. unter der Petrikirche in Wiemelhausen oder im Stollen Ruhrblick Hattingen sind dabei seltener. Ein Beispiel, wo der SBB fast schon im vorübergehen mit Kenntnissen helfen konnte, war beim Bau der neuen Ruhrbrücke Hattingen. Hier war beim Bau der Straße direkt neben der Brücke ein Tagesbruch aufgetreten. Durch die Zeitzeugenbefragung der Bauleitung wurde sogar ein Stollen vermutet, der direkt unter den neu gebauten Brückenfundamenten verlaufen wäre. Ein kompletter Baustellenstopp mit horrenden finanziellen Verlusten kündigte sich an. Selbst ein Behördentermin brachte keine fruchtbaren Ergebnisse, so daß hier zunächst ein Bodengutachten erstellt werden sollte. Das drohende Unheil dauerte so lange, bis der SBB vom Denkmalamt hinzugezogen wurde. Nach dem Einstieg in den Tagesbruch stand fest, daß hier lediglich ein Deckungsgraben angetroffen worden war, der auch keinen Einfluß auf die Standfestigkeit der Brückenelemente haben,  und der durch einfaches ausbaggern innerhalb eines Tages beseitigt werden konnte. Es gab aber auch schon Fälle, in denen der Rat des SBB ignoriert wurde. In diesen Fällen traten dann genau die unerwünschten Situationen ein, die eigentlich vermeidbar waren - siehe Sicherung eines Tagesbruches am Ruhrblick in Hattingen. Trotz vielfachen Hinweisen und Warnung wurde “blind verfüllt”, mit dem Ergebnis, daß der Dämmer erst einmal als “durchgehende Position” in die Ruhr floß. Bergbau ist kein Luftschutz.

 Überwiegend können  viele Situationen anhand von Beschreibungen, Plänen, Luftbildern und Fotos abgehandelt werden. Aus diesem Grunde ist der SBB in der Lage, viele Problemstellungen  telefonisch und oder per Mail abzuklären und den Hilfesuchenden fachlichen ersten Rat zu  zu geben.

Den Luftschutz zu erforschen ist eine große Aufgabe, auch wenn es anders erscheint. Beginnend bei der Gesetzgebung über diverse Vorschriften, Anweisungen und Abhandlungen, vom Material - und Ausstattungsbedarf bis hin zu der Beschaffung und vom Maschineneinsatz bis zum Arbeitskräfteeinsatz gibt es noch vieles zu erhellen. 

Maschinenraum_eines_Hochbunkers

Heutzutage wird die Bezeichnung “Bunker” oftmals in Unkenntnis verwendet und suggeriert  in den meisten Fällen eine scheinbare Sicherheit. Selbst die einfachsten Luftschutzkeller oder Deckungsgräben werden dadurch, zumindest verbal, gewollt oder ungewollt, unberechtigt aufgewertet. Letztendlich glauben viele Menschen sogar, daß ein Atombunker tatsächlich sicher ist gegen Bomben. Hier sprechen übrigens Fachleute von Strahlenschutzräumen mit kleiner oder großer Technik, oder von Grundschutzanlagen. Diese wurden im kalten Krieg meist als MZA (Mehrzweckanlage) geschaffen.  Und wer von einem ABC-Bunker spricht, sollte wissen, daß dieser nur teilweise vor herkömmlichen Bomben schützt. Teilweise deshalb, weil mancherorts alte, damals bombensichere Luftschutzbunker aus dem 2.Weltkrieg zu  ABC-Schutz-Anlagen umgebaut  wurden. Nur diese schützen noch einigermaßen vor Sprengbomben in den Kalibern der damaligen Abwurfmunition.

Mehrzweckanlagen wurden im Kalten Krieg fast durchgehend mit nur 1,00m bis 1,10m Wandstärke gebaut. Im Gegensatz zu Bunkern des 2. Weltkrieges, die in der ersten Bauwelle bereits Wandstärken von 1m - 1,40m aufweisen mußten. Bei der zweiten Bauwelle lag die Mindeststärke bei 2,00m.

Grundschutz-ABC

Die interessanteste Luftschutzanlage, die der Studienkreis Bochumer Bunker sichten konnte, war die U-Verlagerung der Stromverteilung des Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation.  Diese spezielle, weltweit einzigartige Sach- und Personen-Luftschutzanlage wurde zwischenzeitlich komplett beseitigt. Im Werk selbst bezeichneten Werksleitung und Mitarbeiter den “Bunker” Tunnelverteilung.

Hochbunker-Fluransicht

Die Erforschung von Luftschutzanlagen aller Art ist ein sehr umfangreiches Feld. Wer sich mehr als nur oberflächlich  damit befassen will, sollte sich schon zahlreiche fundierte Kenntnisse aneignen, um mehr als nur Länge, Breite und Wandstärken benennen zu können. Aus diesem Grund sind hier auf der Homepage einige Themen zu finden, die auf den ersten Blick keinen direkten Zusammenhang erkennen lassen. Um das vorhandene Wissensspektrum zu überblicken, haben wir die von uns durchgearbeitete Literatur gesondert aufgelistet. Die meisten Fachbücher sind in den großen Archiven zu finden (Teil der Quellen).

Grundschutzanlage-Kalter-Krieg

Fragen die zum Thema Luftschutz aufkommen sind:  die Standortwahl, der Nutzerkreis, das Antrags- und Genehmigungsverfahren, die Materialbeschaffung - und Lieferung, die angefallenen Kosten, die Baufirmen und die eingesetzten Arbeitskräfte, die zur Verfügung stehenden Maschinen, die Beseitigung und der Verbringungsort von anfallendem Aushub, die technische Ausstattung, das eingesetzte Personal (Luftschutzordner und Bunkerwarte), die soziale Ausstattung, die Berechnungen und Grundlagen der im Betrieb befindlichen LS-Anlage (Luftversorgung etc.), die Statik, die Abwasserbeseitigung, die Pläne und Zeichnungen aller Art, angefangen vom Architektenentwurf bis hin zu den Armierungsplänen,  und auch die Hygiene (Reinigung der Anlagen nach Gebrauch etc.) ist ein nachfragbarer Punkt. Zudem ist noch die Nachkriegsnutzung ein Thema.

Betrachtet man den gesamten Luftschutz aus verschiedenen Blickwinkeln, wird das Forschungsfeld um ein Vielfaches erweitert. Aus diesem Grund ist hier auch ein kleiner Einblick in die damalige Zeit wichtig

 

Begehungen werden beim SBB geplant und nur durchgeführt, wenn die Sicherheit gewährleistet ist.

Besonders nachdenklich stimmt der “Zeitgeist” in Sachen Gerüchte und Spekulationen. In den letzten Jahren werden fast schon regelmäßig in den Medien abenteuerliche Themen rund um Luftschutzanlagen wild zusammengestrickt. Dadurch werden mancherorts normale Menschen mit einem Schatzsuchervirus geimpft, den sie auch ohne Vorkenntnisse gerne ausleben wollen. Für all diejenigen, die Denken, daß man nur in einen Luftschutzstollen einbrechen muß, um das versteckte Bernsteinzimmer, das Reichsgold oder Waffen zu finden, hier nur mal etwas zum Nachdenken: 1.) Wenn die Nazis hätten etwas verstecken wollen, hätten sie das bestimmt nicht in einem genutzen LS-Stollen gemacht. Die Schutzsuchenden hätten sich deswegen auch keinen weiter entfernt gelegenen Schutzraum gesucht. Und wenn, wäre das Geschrei so laut gewesen, daß das “Versteck” auch bei den Alliierten zu hören gewesen wäre. 2.) Nach der Vereinnahmung durch die Allierten, wurden von diesen zunächst die Verwaltungen aufgesucht und die Listen aller LS-Anlagen vereinnahmt. dadurch konnten alle LS-Anlagen systematisch nach versteckten Partei- und Wehrmachtsangehörigen, wie auch nach Wertgegenständen und Waffen durchsucht werden. Im Rahmen von Befragungen wurden zudem auch kleinste Werkluftschutz - und Privatanlagen in Hinterhöfen durchforstet.  3.) In der Nachkriegszeit wurden, anläßlich eines Unfalles mit Kindern, ab 1952 alle Luftschutzanlagen noch einmal gesichtet und gesichert.  Wer heutzutage  also denkt, er könne etwas verwertbares in Luftschutzanlagen finden, sollte sich erst einmal Gedanken darüber machen.

 

OT-Luftschutzstollen_1939

 

Neben Luftschutzanlagen (Luftschutzbunker) aller Art  gibt es auch militärische Bunker in allen Varianten und Formen.

Obwohl Militärbauten nicht wirklich im Interesse des SBB liegen, ist ein Blick über den Tellerrand hinaus hilfreich bei der technischen Einschätzung von Schutzbauten und dem was bereits damals machbar war.

Geschützturm drehbar

So gab es schon in den 30er Jahren Kabelschutzrohre (KSR). Diese allerdings nicht aus Kunststoff, sondern aus Beton. Die Entwicklung der Kommunikation und Datenübertragung begann mit dem  Kupferkabel und ist nunmehr beim Glasfaserkabel angekommen. Die Erforschung des Luftschutzes beinhaltet selbstverständlich auch solche Übertragungswege, da über Telefon und Fernschreiber etc. z.B. Luftlagemeldungen durchgegeben und Sirenen angesteuert werden konnten. Mit viel Glück werden mit Straßenarbeiten alte Anlagen, wie z.B. Kabelschächte freigelegt, in denen belassene Sirenen-Steuerkabel gesichtet werden können.

Plakat-Stollenordnung

Solche und ähnliche Ordnungen waren sowohl in Luftschutzstollen, als auch in Luftschutzbunkern zu befolgen (Bunker- und Stollenordner stellten die Einhaltung sicher) . Aber auch Luftschutzräume in Kellern oder in Deckungsgräben hatten ihre Ordnung. Hausluftschutzwarte - und Ordner wachten über die Einhaltung. 

Luftschutzschilder-aus_der_Werbung001

Genormte Schilder, die zum Vertrieb genehmigt waren, sind selbstverständlich ebenfalls Bestandteil der SBB-Luftschutzrecherche, wie auch mit Schablonen aufgetragene Hinweise oder Anordnungen.

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Selbstverständlich beinhaltet das Thema Luftschutz auch die menschliche Belange. Am Beispiel Gepäckgröße und Kinderwagen mit entsprechenden Anordnungen wird verdeutlicht, mit welchen Problemstellungen  im LS zu rechnen sind. Die Tendenz, möglichst viele persönlichen Werte zu retten, ist jedem Menschen von Natur aus gegeben. Im Krieg wird dies auf das wirklich notwendigste reduziert, und zwar so, daß es in eine Akten- oder Handtasche passt. Jeder Koffer und jeder Kinderwagen nimmt den Platz weg, den andere Menschen brauchen. Deshalb finden sie nachfolgend eine diesbezügliche Anordnung.

Der Polizeipräsident in Bochum

als örtl. LS.-Leiter

S.-Luftschutz c - 54'94 50/44                                                    Bochum, den 16. Nov. 1944

An die

Pressestelle

im Hause

Nachstehende Pressenotiz ist in allen Tageszeitungen des Präsidialbezirke  2 mal mit einem Abstand von 3 Tagen aufzunehmen. "

 Keine großen Gepäckstücke und Kinderwagen mit in den LS-. Bunker nehmen!

Infolge der immer schwerer werdenden Luftangriffe sind alle LS-Bunker und bombensicheren LS-Stollen bis an die Grenze der Möglichkeit besetzt. Es kann daher nicht länger geduldet werden, daß von den schutzsuchenden Volksgenossen große Gepäckstücke, Betten, Kinderwagen usw. mit in die LS-Bunker pp. genommen werden, da hierdurch den anderen schutzsuchenden Volksgenossen Schutzraum entzogen wird. Außerdem wird dadurch beim Einschleusen der Benutzer der freie Durchlaß stark behindert. Wiederholt ist es hierbei, zumal bei plötzlich auftretender Gefahr, zu bedauerlichen Unfällen gekommen. Kinderwagen müssen vor den LS-Bunkern bzw. Stollen abgestellt werden; nur leichtes Handgepäck darf mitgenommen werden. Alle Polizeibeamten, LS-Bunkerwarte und LS-Bunkerordner haben Anweisung, im Interesse aller Schutzsuchenden die Einhaltung dieser notwendigen Anordnung, wofür von den in Frage kommenden Volksgenossen vollstes Verständnis erwartet wird, zu überwachen.

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Ein weniger beachteter Bereich zum Thema Luftschutz ist die Datenverarbeitung im Krieg.

Besonders deutlich wird dieses in der Festschrift zur 25-Jahrfeier der Deutschen Hollerithmaschinen Gesellschaft, veröffentlicht im November 1935. U.a. werden darin unter ”Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Hollerith-Verfahren” diese damals moderne und effektive Technik, deren Anwendung einschließlich der ersten Anwender aus dem Jahre 1910 beschrieben

Die Erfindung des Hollerith-Verfahrens entsprang nicht einem eigennützigen Motiv, sondern dem volkswirtschaftlichen Bedürfnis, wichtige bevölkerungs- und wirtschaftspolitische Statistiken in einer weit-gegliederten und vor allem zeitsparenden Arbeitsmethode aufzubereiten. Diesen Charakterzug volkswirtschaftlicher Nützlichkeit hat das Loch-kartenverfahren auf seinem Werdegang bis zum heutigen Tage bewahrt. Bewußt oder unbewußt hat es sich vorzugsweise Aufgaben zugewandt, die nach Umfang und Bedeutung meist über das individuelle Interesse hinaus in größere Betrachtungssphären hineinragen.

Schon allein als Hilfsmittel zur. Bearbeitung von Massenvorgängen in Verwaltungs- und Wirtschaftsbetrieben mit mittelbarer oder unmittelbarer nationalwirtschaftlicher Bedeutung kann sein volkswirtschaftlicher Wert nicht geleugnet werden. Es ist charakteristisch, daß das Verfahren zuerst von Verwaltungszweigen und Industrien herangezogen wurde, denen die Pflege des Außenhandels besonders oblag, und die durch eine klare statistische Durchleuchtung ihrer Verwaltungs- und Verkaufsmethoden eine Förderung der Ausfuhr und damit einen Nutzen für die Volkswirtschaft zu erzielen suchten.

Volkswirtschaftliche Beweggründe waren es auch, die die staatlichen Verkehrsunternehmungen veranlaßten, sich schon im Jahre 1911 mit der Verwendung des Hollerith-Verfahrens zu beschäftigen. Sein außer-ordentlich hoher volkswirtschaftlicher Wert wurde schließlich während des Krieges im Dienste der Kriegswirtschaft bewiesen.

Hat die damalige Zeit die im allgemeinen Interesse liegende Nützlichkeit des Hollerith-Lochkartenverfahrens erkannt, so ist weiterhin für das Verfahren der Einsatz hochleistungsfähiger Maschinen charakteristisch zur Ausführung der ihm zugedachten Arbeiten.

 

Das Hollerith -Verfahren verlangt als umfassendes Rationalisierungsmittel technischer Art auch umfassende organisatorische Maßnahmen. Es ist daher natürlich, daß es als Arbeitsverfahren von weitreichender Wirksamkeit einer kritischen Betrachtung unterworfen wurde. Es mußte in seinen Auswirkungen sorgfältig beobachtet werden. Damit hat es auch den Beweis zu führen, daß es als Rationalisierungsmittel keine sozial schädlichen Folgen nach sich zog, und daß es als technisches Aggregat auch dem ursprünglichen Geist der Technik entsprach, die ihre Aufgaben darin erblickt, nicht dem Nutzen des einzelnen, sondern dem der Gesamtheit zu dienen. Weiterhin durften die Maschinen nicht mehr als Einfuhrware die Handelsbilanz belasten, sondern hatten sich als ein Erzeugnis deutscher Arbeit Staat und Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Als wenige Jahre vor dem Kriege die ersten Hollerith-Maschinen auf dem deutschen Markt erschienen, fanden sie in Verwaltung und Wirtschaft einen noch wenig aufgeschlossenen Geist. Das betriebswirtschaftliche Gedankengut war vorwiegend von der Rentabilitätsidee beeinflußt. Rationalisierungsprobleme kannte man nicht. Die Technik dieser neuartigen Büromaschinen regte lediglich dazu an, statistische Erhebungen und Auswertungen zu verbessern, gegebenenfalls einzelne Arbeitshandlungen des Rechnungsdienstes zu mechanisieren, ohne deren Gesamtorganisation zu verändern. Die damals für die Maschinen übliche Bezeichnung „Statistikmaschine" weist darauf hin, daß man sich als Anwendungsgebiet in der Hauptsache statistische Arbeiten dachte. Eine Vorführung der Hollerith-Maschinen im Jahre 1910 vor den Mitgliedern des Deutschen Reichstages weckte das Interesse für die Verwendung des Verfahrens im Dienste der Staatsverwaltung.

Daher haben zuerst deutsche Reichs- und Landesverwaltungen die Vor-teile, die das neuartige Arbeitsverfahren zu bieten schien, für statistische Arbeiten in Anspruch genommen. Schon 1910 wurde in einigen deutschen Ländern, so in Württemberg, Elsaß-Lothringen und Baden die Volkszählung mit dem Lochkartenverfahren ausgeführt. Wenn auch damals der Stand der Maschinentechnik und die mangelnden Erfahrungen noch keine allzu überwältigenden Ergebnisse zeitigten, so genügten sie doch, um bei weiteren wichtigen Verwaltungsstellen des Reichs und der Länder Versuche aufzunehmen.

Bereits im Jahre 1911 hat das Statistische Reichsamt die Handels- und Binnenschiffahrtsstatistik im Lochkartenverfahren zu bearbeiten begonnen. Ebenso bedienten sich das Preußische und Sächsische Statistische Landesamt vorübergehend des Verfahrens bei der Bearbeitung der Bevölkerungsbewegungsstatistik.

Von den übrigen Reichsstellen haben 1913 die Kaiserliche Werft in Kiel, die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin begonnen, das Hollerith -Verfahren für statistische Arbeiten zu verwenden.

Gleichzeitig mit der Aufnahme des Verfahrens in der Reichs- und Landesverwaltung faßte es auch in der Industrie und in Handelsunternehmungen Fuß. Es waren in erster Linie die chemische und die elektrische Industrie, die in den Jahren 1910 und 1912 das Verfahren für die Verbesserung ihrer Verkaufsmethoden und insbesondere ihrer Absatzstatistik verwendeten. Von diesen ersten Benutzern sind ins-besondere zu nennen :

Farbenfabriken Friedrich Bayer & Co., Leverkusen

Farbenwerke vorm. Meister Lucius & Brüning, Frankfurt (Main) -Höchst

Badische Anilin- und Sodafabrik, Ludwigshafen

 A. E. G. Kabelwerk Oberspree

A. E. G. Friedrich-Karl-Ufer

Siemens-Schuckertwerke A. G., Berlin-Siemensstadt

 Osram, Charlottenburg

Brown Boverie & Cie. A. G., Mannheim-Käferthal.

Eine Reihe kommunaler Verwaltungsstellen, so das Statistische Amt der Stadt Berlin und der Stadt Wien, weiterhin die Ruhrknappschaft u. a. m. übernahmen 1912/13 das neuzeitliche Verfahren.

Die Verkehrsunternehmungen, insbesondere die ehemaligen Staatseisenbahnen, als erste die Württembergische Staatseisenbahn, hatten bereits 1910 den Gedanken erwogen, die im Statistischen Landesamt in Stuttgart für Volkszählungsarbeiten benutzte Hollerith-Lochkartenmaschine für die Eisenbahn-Betriebsleistungsstatistik mit zu verwenden. Anfang 1911 wurde im Eisenbahn-Zentralamt ernstlich die Frage der Verwendung von Lochkarten geprüft und von der Königl. Preuß. Eisenbahndirektion Berlin die Anwendung des Verfahrens für die Güterverkehrsabrechnung und das Tarifwesen untersucht. Diese verheißungsvollen Ansätze entwickelten sich jedoch nicht weiter, weil die damalige Technik der Lochkartenmaschinen den weiten Kreis der Nutzungsmöglichkeiten nicht erfüllen konnte. Soviel aber wurde offenbar, daß für die Folgezeit eineverbesserte und geeignetere Lochkartentechnik zur Neuordnung der Betriebsleistungsstatistik, der Güterverkehrsabrechnung und des übrigen Verwaltungsdienstes unerläßlich sei und ihr Erscheinen erwartet wurde. Von den übrigen Verkehrsunternehmungen hat die Hapag, Hamburg, schon 1913 das Lochkartenverfahren für Buchhaltungszwecke verwendet. Später begann auch die Kaiserliche Oberpostdirektion Berlin das Hollerith -Verfahren erstmalig im Rentenrechnungsdienst anzuwenden. Allen diesen Versuchen fehlte jedoch die klare Zielsetzung. Die weiten Perspektiven, die erst der spätere technische Fortschritt eröffnete, waren noch nicht sichtbar.

Durch den Ausbruch des Weltkrieges nahm die Entwicklung des Lochkartenverfahrens von Grund auf eine andere Richtung. Mit der bald einsetzenden Einfuhrbeschränkung waren der weiteren Ausdehnung Schranken gesetzt. Die neuen Aufgaben in vielen Betrieben der öffentlichen Verwaltung und Industrie brachten auch eine Änderung in der Verwendung des Lochkartenverfahrens. Die Lochkarte wurde höher-wertigen, der Buchhaltung und Wirtschaftskontrolle dienenden Arbeiten zugeführt, soweit es die damalige Technik der Maschinen zuließ. Die umfangreichen Bestandserhebungen der Kriegsbewirtschaftung von Rohstoffen und Lebensmitteln und deren Verteilung verlangte mit zwingender Notwendigkeit nach einem wirksamen maschinellen Hilfsmittel.

Eine Reihe von Kriegsgesellschaften und Rüstungsbetrieben, wie

Blohm & Voß Kom.-Ges. a. A., Hamburg,

 Mixt & Genest

 Telefon- und Telegraphenwerke, Berlin

 Bayerische Geschützwerke Friedrich Krupp, München

u. a. führten sofort das Lochkartenverfahren ein, das sich als ein kriegswichtiges und damit für die deutsche Volkswirtschaft lebensnotwendiges Hilfsmittel erwies. Es machte sich unentbehrlich in der Zeit größter Gefahr für Staat und Volk für die Rohstoff- und Lebensmittel-Bewirtschaftung.

Die Anwendungsgebiete in der Kriegswirtschaft waren, praktisch gesehen, unbegrenzt. Da es unmöglich war, die Maschinen im erforderlichen Maße einzuführen oder selbst zu bauen, mußte die Anwendung des Lochkartenverfahrens auf die wichtigsten kriegswirtschaftlichen Gebiete beschränkt bleiben. Bestehende Lochkartenorganisationen, die für die Kriegswirtschaft nicht unbedingt notwendig waren, wurden eingeschränkt oder eingestellt und die frei werdenden Maschinen für kriegswichtige Betriebe beschlagnahmt. Eine größere Sendung von Maschinen konnte zwar kurz vor Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg aus Amerika über das feindliche Ausland eingeführt werden, aber das war nur eine zufällige Hilfe. Diese Erkenntnis hat der Deutschen Hollerith Maschinen Gesellschaft damals erneut den Gedanken nahe-gebracht, sich durch Eigenfertigung der Maschinen vom Auslande unabhängig zu machen, um mit vollem Einsatz der notwendigen Maschinen in den Dienst der Kriegswirtschaft treten zu können. Dieser Plan wurde sehr bald mit Ernst aufgenommen und wirkte sich fördernd auf maschinen- und arbeitstechnischem Gebiet aus.

Als mit der Beendigung des Krieges die Bemühungen begannen, das zerstörte Wirtschaftsleben wieder aufzubauen, zeigten die betriebswirtschaftlichen Neuordnungen und die Rationalisierungskonjunkturen dem Lochkartenverfahren neue Perspektiven.

Der schnelle technische Fortschritt eröffnete dem Hollerith-Verfahren neue Arbeitsgebiete. Mit der Erschließung neuer Arbeitsgebiete verfeinerte sich wiederum seine Technik, so daß sich in wechselseitiger Förderung auch sein Wirkungskreis und seine Nützlichkeit für die gesamte Volkswirtschaft erweiterte. Die Ausrüstung der Tabelliermaschinen mit Schreib-, Subtraktions-, Saldierwerken, Gruppenkontrolle und vielen anderen Einrichtungen, machte das Verfahren immer mehr für die Bearbeitung von Buchhaltungen aller Art geeignet. Das Verfahren erhielt durch die Verlagerung seines Schwergewichtes auf das Rechnungswesen eine erhöhte betriebswirtschaftliche Bedeutung. Volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich bedeutungsvolle Formen der Anwendung traten in der Folgezeit hervor.

In der Staatsverwaltung sind Massenarbeiten, zu deren Bewältigung das Hollerith -Verfahren dient, vorwiegend statistischer Natur. Die Kameralistik bietet als einfache Einnahme- und Ausgaberechnung selten genügend Übertragungsfälle, um den Einsatz des Lochkartenverfahrens wirtschaftlich zu rechtfertigen. Der Schwerpunkt liegt daher in der Staatsverwaltung auf der Statistik, die als „das Auge des Herrschers" mehr denn je an Bedeutung gewonnen hat.

In der Reichs- und Staatsverwaltung war die erneute Verwendung des Lochkartenverfahrens von dem Gedanken beeinflußt, die Leitung straffer zu zentralisieren. Die dadurch sich ergebende praktische Arbeit konnte ohne wirksame technische Hilfsmittel nicht mehr ausgeführt werden. „Durch die Machtübernahme des Nationalsozialismus erhält die Statistikeinen um so höheren Wert, als er sich bewußt an die Massen wendet und auf fast allen Lebensgebieten die Führung von Massen übernimmt."') Im neuen Reich wird die Zentralisierung der Verwaltung besonders gefördert, daher muß auch die Statistik der Staatsführung vielseitiger und schneller zur Hand gehen, als das unter früheren Staatsformen der Fall war. Da es sich dabei durchweg um Massenbeobachtungen handelt, wird die Anwendung des Lochkartenverfahrens mehr und mehr ausgedehnt werden.

Die Wiedereinführung und der weitere Ausbau des Lochkartenverfahrens ist im Dienste der Staatsverwaltung folgenden Weg gegangen:

Die Reichsverwaltung hat ihre wesentlichen statistischen Erhebungen dem Statistischen Reichsamt in Berlin zur Bearbeitung übertragen. Im Jahre 1923 wurde die gesamte Handelsstatistik wieder auf das Hollerith-Lochkartenverfahren umgestellt. Dabei kam das Hollerith-Verfahren den Sonderheiten des deutschen Außenhandels entgegen. Die deutsche Handelsstatistik unterscheidet sich von der anderer Länder dadurch, daß sie in einer sehr ins einzelne gehenden Gliederung aufgestellt wird. Trotz dieser Mehrarbeit liegen bereits Mitte des folgenden Monats, also etwa am 18., die gedruckten Handelsberichte vor. Schon vorher stehen Zwischenergebnisse für die Verwaltungsarbeit des Wirtschafts- und Finanzministeriums zur Verfügung. Diese außerordentliche Beschleunigung in der Ermittlung der Außenhandelsergebnisse ist von besonderer Wichtigkeit, seit mit der Verkündung des „neuen Planes der deutschen Wirtschaftspolitik" laufend Verhandlungen mit allen Ländern über gegenseitige Warenlieferungen stattfinden. Ohne diese maschinelle Bearbeitung wären Einzelheiten über unseren ausländischen Warenverkehr so schnell nicht zu erlangen. Hier zeigt sich deutlich die volkswirtschaftliche Bedeutung und die Unentbehrlichkeit des Lochkartenverfahrens für die deutsche Außenhandelspolitik.

Die gleichen Vorteile eines stets zur Hand liegenden Werkzeuges bietet das Verfahren auch der inneren Wirtschaftspolitik bei den umfangreichen Erhebungen über die Steuerleistungen. Bei der Fülle der jährlich an-fallenden Erhebungsfälle, die sich auf etwa 20 —30 Millionen belaufen, ist es nicht anders möglich, als die Einheitswertstatistik, die Einkommen-, Vermögens- und Umsatzsteuerstatistik mit Hilfe des Lochkartenverfahrens zu bearbeiten. Die autoritative Finanzpolitik, die den Staat verpflichtet, die Steuerquellen dauernd einer objektiven Beurteilung zu unterziehen und die Steuergerechtigkeit zu beachten, stellen ständig höhere Anforderungen an die Statistik und die Kontrolle des Steuerwesens. Demnach wird sich die volkswirtschaftliche Bedeutung des Lochkartenverfahrens auf diesen Arbeitsgebieten aller Voraussicht nach noch erhöhen.

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Als mit der Machtübernahme der Führer den 4-Jahresplan verkündete und eine allgemeine Volks-, Berufs- und Betriebszählung angeordnet wurde, fiel dem Hollerith-Verfahren die Aufgabe zu, diese umfangreiche Zählung (für das preußische Gebiet ca. 41 Millionen Einwohner) in einem Zeitraum von wenigen Monaten auszuführen. Diese Inventuraufnahme eines Volkes sollte gewissermaßen den Zustand der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des deutschen Volkes an einem Zeitpunkt feststellen, an dem das große Aufbauwerk begann. Das Hollerith -Verfahren hat diese große volkswirtschaftliche Aufgabe gelöst und damit eine Arbeit geleistet, wie sie nie zuvor und in keinem Lande der Welt in derartig weitgehender Gliederung, Genauigkeit und Schnelligkeit ausgeführt wurde. Bereits nach wenigen Monaten standen der Regierung wichtige Zahlenergebnisse zur Verfügung. Der Wert dieser Statistik wurde dadurch besonders erhöht, und vielleicht zum erstenmal ermöglichte sie der Staatsführung einen unmittelbar praktischen Nutzen.

Es ist daher auch folgerichtig, daß nach Ablauf des 4-Jahres-Programms eine neue Inventuraufnahme, also eine neue Volks-, Berufs- und Betriebszählung, die im Laufe der 4 Jahre eingetretene Umformung der sozialen und wirtschaftlichen Struktur unseres Volkes feststellen wird.

Der Erfolg, den gerade diese großangelegte Arbeit hatte, veranlaßte auch andere Verwaltungen, sich das Verfahren mehr und mehr dienstbar zu machen.

Die Neugestaltung unserer Wehrmacht wird weiterhin eine große Anzahl von Massenbeobachtungen und Untersuchungen erfordern, die nicht nur den Zwecken der Wehrmachtsverwaltung dienen, sondern darüber hinaus kulturpolitischen Wert besitzen. Die neu zu errichtende Militärstatistik wird im Interesse der Allgemeinheit zur Erreichung biologischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Erkenntnisse vertieft und ausgebaut werden. Sie wird sich erstrecken auf die Heeresergänzung, Wehrkraft, Wehrfähigkeit, Wehrtüchtigkeit (Rekrutenstatistik), auf das militärische Gesundheitswesen, die geistige Bildung der Rekruten, ihren bisherigen Werdegang durch die HJ. und SA. und viele andere wichtige Fragen.

Ein gigantisches Feld der Massenbeobachtung eröffnen die großen Rahmenbildungen unseres Volkskörpers: die Deutsche Arbeitsfront, der Reichsnährstand, die Organisation der gewerblichen Wirtschaft, der Reichsbund deutscher Beamten, die Reichskulturkammer und der Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen, die alle erwerbstätigen Personen und Betriebe des deutschen Staates umschließen. Ihr Problembereich hat unübersehbare Ausmaße und wird im Hinblick auf die Massenuntersuchungen in vielen Fällen geradezu darauf angewiesen sein, sich des Lochkartenverfahrens zu bedienen, weil anders viele Fragen ungelöst bleiben.

Ebenso wird die NSDAP. in ihrem großen Verwaltungsapparat weitgehende Beobachtungen vornehmen über Bestand und Bewegung der Parteimitglieder, deren Ausgliederung nach Alter, Geschlecht und Beruf, ferner über die Personalverhältnisse der SA., SS., HJ., Jungvolk, BDM., Frauenschaft, Studentenschaft, NSV. usw. Auch diese Massenbeobachtungen sind Anwendungsgebiete für das Lochkartenverfahren.

Im Gebiet der Kommunalverwaltung war es zuerst die Stadtverwaltung Köln, von kleineren Arbeiten beim Magistrat Berlin abgesehen, die anfangs für die statistische Abteilung, dann für die Gehalts- und Lohnverrechnung und schließlich für das Fürsorgewesen das Lochkarten-verfahren einführte. Andere Städte, wie Frankfurt (M.), dehnten das Anwendungsgebiet noch erheblich weiter aus und erfaßten die gesamte Mittelverwaltung, einschließlich Steuererhebung und Verrechnung; sie wenden das Verfahren auch in den städtischen Betrieben der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke an.

Fast ebenso verhält es sich im übrigen Gebiet der öffentlichen Verwaltung. Hier wird das Lochkartenverfahren im Interesse der Allgemeinheit nützlich verwendet in der Sozialversicherung (Reichsversicherungsamt), im Fürsorge- und Wohlfahrtswesen, bei Krankenkassen usw. Als eine der ersten hat im Jahre 1911 die Ruhrknappschaft eine Krankenhausstatistik angefertigt. Alle diese Arbeiten sind letzten Endes darauf gerichtet, die sozialen Einrichtungen im Interesse der Versicherten vorteilhaft zu gestalten.

Unser Volksstaat gliedert die Wirtschaft im Gegensatz zum alten liberalistischen Staat in sein geschlossenes Staatssystem ein. Er nimmt die Bedarfsdeckung unter seine Leitung und erlangt dadurch bestimmenden Einfluß auf die gesamte Produktion der Industrie und Landwirtschaft. Er verlangt, daß die sachliche Ergiebigkeit der Betriebe den primären wirtschaftlichen Verhältnissen der Volkswirtschaft angepaßt wird, er hütet die nationale Wirtschaftlichkeit und greift ein, um der privaten Wirtschaft im Interesse des Volksganzen Richtung und Ziel zu geben. Unsere Wirtschaft hat also über das privatwirtschaftliche Interesse hinaus ihre Wirtschaftsführung vom gemeinnützigen Standpunkt aus zu orientieren und ihr Rechnungswesen und ihre Statistik danach einzurichten. Dabei wird das Hollerith-Verfahren den Großbetrieben der Wirtschaft in diesem erweiterten Aufgabenkreis willkommene Hilfe leisten.

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Bearbeitung bleibt in den Händen der Reichsaufsichtsbehörden und den Verwaltungsstellen des Reichsnährstandes. Auf den beginnenden Aufbau dieser großangelegten Arbeiten deuten die Veröffentlichungen der Landesbauernschaft Pommern über „Die Lage der Landwirtschaft in der Provinz Pommern im Wirtschaftsjahr 1933-34" hin, in denen es im Vorwort heißt:

„Die Aufarbeitung des so umfangreichen Materials wurde durch das Hollerith-Lochkartenverfahren im Lohnverfahren bei der Deutschen Hollerith Maschinen Gesellschaft in Berlin-Lichterfelde durchgeführt. Nur so war es möglich, daß die Zahl der Unterlagen gesteigert werden konnte, ohne daß die Verarbeitung des Materials irgendwelche Verzögerung erlitten hätte."

In diesem wichtigen Wirtschaftszweig wird das Hollerith-Verfahren in der Hauptsache für statistische und in Einzelfällen für buchhalterische Arbeiten benutzt werden; seine Bedeutung in diesem Problemkreis ist also vornehmlich volkswirtschaftlich gerichtet.

In den Wirtschaftszweigen der Industrie und des Handels erlangte das Hollerith-Verfahren seine vielseitigste Verwendung. Es beherrscht dort das gesamte Rechnungswesen und alle mit der Kontrolle und Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der Betriebe zusammenhängenden Forschungen und Ermittlungen.

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Wie erwähnt, hat die Industrie das Lochkartenverfahren schon in den Jahren 1910 und 1911 aufgenommen. Aber erst nach dem Kriege setzte eine umfassende Verwendung des Verfahrens in den wichtigsten Industrie- und Wirtschaftszweigen ein.

Als erste baute die chemische Industrie ihre vor dem Kriege begonnene Lochkartenorganisation aus. Die Beweggründe für die Anwendung des Lochkartenverfahrens waren Verbesserung und Ausbau ihres Rechnungswesens, um den Vertrieb und Betrieb, insbesondere den Produktionsprozeß, zu regulieren und wirtschaftlich zu gestalten.

In der Elektro-Industrie gehen die Anfänge der Hollerith-Organisation gleichfalls in die Vorkriegszeit zurück. Fast alle großen Unternehmen dieses Industriezweiges haben inzwischen das Lochkartenverfahren für die Neuordnung ihres Rechnungswesens eingeführt. Ferner bearbeiten eine Reihe von Elektrizitätswerken ihre Zählerkontrollen, ihre Verkaufsverrechnung und Absatzstatistiken im Hollerith-Lochkartenverfahren. Auch große Erhebungen über die Tarifgestaltung der Elektrizitätsversorgung sind im Hollerith-Lochkartenverfahren ausgeführt worden.

In der Eisen- und Maschinen-Industrie hat im Jahre 1916 die Firma Schieß-Defries A.-G. in Düsseldorf das Hollerith-Verfahren zuerst für die Betriebsabrechnung verwendet. Diese Organisation war richtunggebend für viele Industriebetriebe. 1920 übernahmen die Deutsch-Luxemburgischen Hüttenwerke A.-G., das Eisen- und Stahlwerk Hösch und der Gelsenkirchener Bergwerksverein das Hollerith-Verfahren. 1926 folgten Stahlwerk Becker, Röchling'sche Eisen- und Stahlwerke A.-G., Vereinigte Stahlwerke, Rheinmetall u. a. 1927 führte u. a. auch die Fried. Krupp A.-G. das Hollerith-Verfahren ein.

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Das deutsche Eisenbahnwesen wurde durch den Krieg vor völlig neue Aufgaben gestellt. Die gewaltigen Transportleistungen, die für die Landesverteidigung auszuführen waren, hatten den Betriebsapparat fast gänzlich heruntergewirtschaftet. Die neue Grenzziehung hat für zahlreiche Gebiete die Transportrichtung geändert und damit eine Veränderung in der Benutzung der Betriebsanlagen gebracht. Aus diesen Schwierigkeiten erwuchs die wichtige Aufgabe, Ordnung in den Betriebsapparat zu bringen. Die Deutsche Reichsbahn hat sich die Grundlagen für den Aufbau ihres Betriebsdienstes durch eine neuzeitliche Betriebsleistungsstatistik geschaffen, die im Hollerith -Verfahren aufgestellt wurde. Die Statistik lieferte Angaben über Leistungen der Züge, der Wagenachsen der Lokomotiven, des Personals und über die Belastung der Strecken. Diese Angaben setzten die Reichsbahn in den Stand, mit einer ebenfalls im Lochkartenverfahren ausgeführten Selbstkostenermittlung der Betriebsleistungen den Betriebsapparat wieder in Ordnung zu bringen. Am Gelingen dieser für das deutsche Wirtschaftsleben so bedeutungsvollen Aufbauarbeit hat das Hollerith -Verfahren einen nicht geringen Anteil.

Noch auf einem anderen Arbeitsgebiet der Reichsbahn tritt der volkswirtschaftliche Nutzen des Lochkartenverfahrens klar zutage, in der Sachgüterverwaltung. In Zeiten großer Aktivität stieg der Wert des jährlichen Sachbedarfs auf nahezu 1,5 Milliarden RM. Mit dieser Riesensumme ist sie ein Regulator der Wirtschaft. Ihrer hohen Verantwortungbewußt, hat die Reichsbahn die Stoffwirtschaft in ihren Hauptsparten im Lochkartenverfahren organisiert und ein Verrechnungs-, Kontroll-und Ermittlungssystem geschaffen, das ihr die Möglichkeit gibt, den gesamten Vorrat zentral in der Hand zu halten. Damit ist sie trotz der riesigen Größe des Verwaltungsgebietes über Lagerhaltung, Verbrauch und Bedarf an Werkstoffen, Oberbaustoffen und Betriebsstoffen, insbesondere Kohlen, unterrichtet und kann die erforderlichen Maßnahmen zur wirtschaftlichen Verwendung und Wiederbeschaffung treffen.

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Obgleich die Deutsche Reichsbahn schon jetzt nicht weniger als 140 Millionen Buchungsfälle jährlich im Lochkartenverfahren bearbeitet, ist das Anwendungsgebiet bei diesem größten aller Unternehmen der Welt bei weitem noch nicht erschöpft. Die wichtige, bei fast allen größeren Eisenbahnen der Welt im Lochkartenverfahren bearbeitete Güterverkehrsabrechnung und Gütertransportstatistik hat die Deutsche Reichs-bahn noch nicht auf Lochkarten umgestellt. Es ist nicht allein vom betriebswirtschaftlichen, sondern auch vom volkswirtschaftlichen Stand-punkt aus gesehen bedeutungsvoll, die Transportverhältnisse im Reich genau zu überwachen und durch eine, allein im Lochkartenverfahren mögliche Methode die Aufgabenteilung zwischen den verschiedenen Transportarten, die sich neu zu formen beginnen, nämlich Eisenbahn, Post und Kraftwagenverkehr, zu organisieren und durchzuführen.

Die Deutsche Reichspost, als die zweitgrößte deutsche Verkehrseinrichtung, hat in Anlehnung an die Versuche in der Vorkriegszeit im Jahre 1930 in einem Teil ihres Verwaltungsbereiches das Verfahren für die soziale Rentenabrechnung eingeführt.

Wie die Deutsche Reichsbahn besitzt auch die Deutsche Reichspost als Auftraggeber einen wesentlichen Einfluß auf die deutsche Wirtschaft und deren Produktion. Es sind deshalb auch die gleichen Beweggründe hier maßgebend, die bei der Reichsbahn für die Verwendung des Lochkartenverfahrens in der Materialverwaltung und in anderen Anwendungsgebieten sprachen.

Die Beweggründe für die Verwendung des Lochkartenverfahrens scheiden sich in zwei Richtungen.

Siehe „Amtliche Nachrichten der Reichsbahn", Heft 16, vom April 1930.

Die Betriebe der Hoheitsverwaltungen, die Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, die Betriebe der staatlichen Verkehrsunternehmungen, die Zentralorganisationen der Stände und der Partei sehen die Nützlichkeit des Verfahrens allgemein vom volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt aus.

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Die nationalsozialistische Staatsführung stellt den deutschen Menschen und die Pflege des deutschen Volkstums in den Mittelpunkt ihrer Bestrebungen. Daher werden die Beweggründe und die Auffassungen über das Lochkartenverfahren in gleicher Richtung laufen, wenn es sich um die Beurteilung seiner sozialen Auswirkung handelt. Es ist deshalb die Frage zu prüfen, ob das Lochkartenverfahren Gefahrenquellen in sich schließt, die seine Ausdehnung bedenklich erscheinen lassen.

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Diese Stellungnahme der NSDAP. zur Technik wurde auf dem Reichsparteitag 1935 vor der Öffentlichkeit von Dr. Todt, dem Beauftragten für Technik und deren Organisationen, nachdrücklich wiederholt: „Das Wesen der Technik ist geblieben, was es war, und wird bleiben, was es ist: die Kunst des Menschen, sich die Natur dienstbar zu machen. Das Können des einzelnen wird übernommen von der Gesamtheit und dieser Gesamtheit nutzbar gemacht. Der Nationalsozialismus führt die Technik wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe zu, nicht dem Nutzen des einzelnen, sondern dem Nutzen der Allgemeinheit zu dienen."

Maßgebend für Mechanisierungsmaßnahmen ist daher nur der Nutzen, den sie der Volksgemeinschaft bringen.

Nachdem diese Festschrift erschien, wurde diese Technologie fast überall eingesetzt. Auch die OT (Organisation Todt) setzte dieses rationelle Verfahren ein. Der Bau des Westwall,des Ostwall und des Atlantikwall wie auch der vielen Luftschutzbunker und Luftschutzstollen wären in der kurzen Zeit ohne das Hollerithverfahren nicht möglich gewesen. Und da diese Hollerithmaschinen besonders wertvoll und schützenswert waren, wurde diese in gesonderten “Hollerithbunkern”, mindestens aber in stark verstärkten Luftschutzräumen aufgestellt. Ob Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation, Henrichshütte, Stahlwerke Witten oder auch Hanomag - Alle Werke der Ruhrstahl AG hatten Holerithbunker.

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